Gesund vor Ort - Vortrag Dr. Balser

In der Reihe „Gesund vor Ort“ des Weilburger Tageblattes  sprach der Chefarzt der Orthopädie/Unfallchirurgie am Weilburger Kreiskrankenhaus, Dr. med. Gerd Balser,  zum Thema „Berufsgenossenschaftliche Behandlungen“. Obwohl das Thema sowohl für angestellte Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber sehr  interessant ist, war die Resonanz diesmal nicht so groß. Aber die Anwesenden, die teilweise selbst mit Berufsunfällen zu tun hatten, hatten so eine sehr gute Gelegenheit, nach dem Vortrag genug Zeit für  ihre persönlichen Fragen zu haben.

 Es gibt viele Aspekte, die bei einem Arbeitsunfall berücksichtigt werden müssen. So betonte Dr. Balser die Wichtigkeit für den erstbehandelnden Arzt, eine äußerst exakte Dokumentation über die Schilderungen des Patienten anzufertigen: wie genau ist der Unfall passiert, damit der Verletzungsmechanismus nachvollzogen werden kann. 

Bei den Schultern beispielsweise können auch degenerative Aspekte mitspielen.  Daher muss ganz genau festgestellt werden, kommt die Verletzung durch den Unfall oder ist sie eine Folge einer – beispielsweise altersbedingten – Degeneration. Es gibt klare Definitionen, was ein Unfall ist: so muss von außen eine Kraft auf den Körper eingewirkt haben. Ein Verhebetrauma beispielsweise gilt nicht als Unfall.

Wenn der D-Arzt – das ist der von den Berufsgenossenschaften anerkannte Durchgangsarzt als Erstbehandler, so wie Dr. Balser es ist  – den Patienten für die allgemeine Heilbehandlung  zum Hausarzt weiter verweist, dann bedeutet dies, dass er in vierzehn Tagen wieder arbeiten kann. Wenn klar ist, dass die Gesundung länger dauern wird, ist keine allgemeine Heilbehandlung durch den Hausarzt möglich sondern es wird eine besondere Heilbehandlung angestrebt, in deren Rahmen beispielsweise auch die Kosten für ein CT übernommen werden.

Selbstständige müssen sich übrigens selbst berufsgenossenschaftlich versichern, und auch Beamte sind nicht bg-lich versichert, so auch die Polizeibeamten nicht.

Und es wird unterschieden zwischen Berufsunfall und Berufskrankheit. Berufskrankheiten – beispielsweise ein Dachdecker mit Asbestose oder  ein Bäcker mit einer Mehlstauballergie – sind nicht an den D-Arzt gebunden, müssen aber ihre Erkrankung der BG anzeigen. Das Bäckerasthma ist übrigens die häufigste arbeitsbedingte Atemwegserkrankung. Ein anwesender Forstwirt schilderte den langen Kampf, den er führte, bis seine Borreliose aufgrund eines Zeckenbisses als Berufskrankheit anerkannt wurde. Denn – obwohl er täglich im Wald unterwegs ist – hätte ihn die Zecke ja auch bei einem Sportplatzbesuch überfallen haben können.

Dr. med. Gerd Balser sprach weiterhin über posttraumatische Belastungsstörungen, die zum Glück inzwischen auch als Arbeitsunfälle anerkannt würden: So etwa, wenn eine Bankangestallte aufgrund eines Banküberfalls unter Ängsten leidet oder ein Lokführer den Suizid eines Menschen, der sich vor seine Lok geworfen hat, nicht verarbeiten kann. „Gut, dass die Berufsgenossenschaften hierfür inzwischen über zugelassene Psychotherapeuten verfügt, damit diesen Menschen geholfen werden kann“, so der Referent.  

Das Weilburger Krankenhaus gehört zu den bundesweit rund 600 Krankenhäusern und Kliniken, die von den Berufsgenossenschaften zur Behandlung der Fälle nach dem Verletzungsartenverfahren zugelassen sind.  Diese müssen im Hinblick auf die Schwere der Verletzungen spezielle personelle, apparative und räumliche Anforderungen erfüllen und zur Übernahme bestimmter Pflichten bereit sein. Seit mehr als 20 Jahren ist Chefarzt Dr. Gerd Balser als Unfallchirurg tätig. Das  berufsgenossenschaftliche Heilverfahren sei eine Besonderheit zur Versorgung der Unfallverletzten, sagte er. Die Berufsgenossenschaften hätten sich gewandelt, und einige hätten sich zusammengeschlossen, um einen vorhandenen finanziellen Druck zu entkräften. Der Arbeitsschutz habe dazu geführt, dass es heute weniger schwere Unfälle gebe als früher, so Dr. Balser. 

Das Weilburger Krankenhaus habe kräftig investiert, um eine bestmögliche Versorgung von Unfallverletzten sicher zu stellen. Das seit einigen Jahren rund um die Uhr zur Verfügung stehende CT-Gerät sei eine Voraussetzug für optimale diagnostische Möglichkeiten. Auch sei rund um die Uhr ein einsatzfähiges OP-Team vor Ort.

Das Schwerstverletztenartenverzeichnis gebe genau vor, was in Weilburg behandelt werden dürfe. Wenn beispielsweise nachts jemand mit einer Kopfverletzung eingeliefert werde, könne man ein CT machen, dieses an die Neurochirurgie nach Siegen weiterleiten, und dann – vor einer Weiterverlegung dorthin - Erstbehandlungsmaßnahmen absprechen. In Weilburg sei man in der Lage, in einer solchen Situation notfalls bei bestimmten Hirnblutungen eine Hirndruckentlastung durchzuführen, um das Überleben des verunfallten Menschen zu retten. 

„Wir sind stolz darauf, was wir erreicht haben“, fügte Dr. Balser an, „wir sind von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie als lokales Traumazentrum anerkannt und streben auch die Anerkennung als regionales Traumazentrum an“. Selbstverständlich bedeutet das für alle Beteiligten ein ständiges Weiterbilden, denn „gerade als kleines Krankenhaus sind wir ganz stark bestrebt, mit unseren Leistungen immer weiter voranzukommen“. 

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