"DIREKTER DRAHT" Dr. Kuntz und Dr. Hofmann beantworten Fragen zu Darmoperationen

Zahlreiche Anrufer haben sich beim "Direkten Draht zum Mediziner" bei Dr. Christian Kuntz (r.) und Dr. Markus Hofmann über Operationen bei Dickdarmerkrankungen erkundigt.

Bei einem 58-jährigen Mann aus Dillenburg ist am Enddarm am Schließmuskel ein etwa 13 Zentimeter großes Geschwür festgestellt worden. Er soll nun nächste Woche ins Krankenhaus und eine Chemotherapie und Bestrahlung bekommen. Leber und Lunge seien nicht angegriffen.

Er soll nächste Woche einen künstlichen Darmausgang bekommen und einen dauerhaften Zugang zum venösen Blutkreislauf. "Das hört sich alles sehr leitliniengerecht an", sagte Kuntz. Ob er sich eine Zweitmeinung einholen könnte, fragte der Mann. Wenn er unsicher sei, könnte er sich natürlich eine Zweitmeinung einholen, sagte der Mediziner. "Eine Zweitmeinung zu holen, das ist völlig legitim." Dann würde er gestärkt in eine solche Behandlung gehen.

Vor drei Jahren ist ein 68-Jähriger aus Braunfels wegen eines Nabelbruchs operiert worden. Seit ein paar Tagen wisse er, dass er vermutlich einen Narbenbruch hat. Das könnte mit der Prostata-Operation, die er vor zwei Jahren hatte, zu tun haben, sagte der Anrufer. Er trage das seit Monaten mit sich herum und keiner habe ihm bisher gesagt, was es sein kann. Es habe sich eine Beule gebildet, die größer und stärker geworden sei. Er vermute, dass sich das auf den Stuhlgang oder das Urinlassen auswirke, weil er damit ein Problem habe. Man müsse sich überlegen, ob die Stuhlgangsschwierigkeit von diesem Narbenbruch kommt oder ob es eine andere Ursache am Darm gibt, sagte Kuntz. Er fragte, ob der Mann schon einmal eine Dickdarmspiegelung gehabt habe. Das sei erst kürzlich gemacht worden, sagte der Mann. "Wenn die in Ordnung waren, dann würde man den Narbenbruch versorgen, sagte Kuntz. So könnte er die Bauchpresse besser einsetzen, dann könnte er mehr Druck auf die Blase ausüben.

Der Druck würde schlagartig kommen und das belaste ihn sehr. Das hänge wohl mit der Prostata-Operation zusammen, vermutete der Mediziner. Er habe eine Magnetresonanztomografie (MRT) machen lassen und sein Arzt habe zu ihm gesagt, er soll in fünf Monaten nochmals kommen. Sein Problem sei, dass er im August seinen Sohn im Ausland besuchen möchte und er Angst habe, dass er Probleme mit dem Stuhlgang und dem Blasendruck während des langen Fluges bekommt. Der Mann meinte, dass es mit einer Operation bis zum Flug nicht mehr hinhauen werde. Eng werde es sicherlich, aber er sollte sich nächste Woche mal im Krankenhaus vorstellen, um eventuell einen vorgezogenen Termin zu bekommen. "Nach der Operation dürfen Sie zwei Wochen nichts Schweres heben", sagte Kuntz.

Im Krankenhaus sei die Koloskopie (beim Dickdarm spricht man von einer Koloskopie, die Dünndarmspiegelung wird auch Enteroskopie genannt) das Angesagteste, was es gibt, meinte ein 73-jähriger Mann aus Dillenburg. Es gebe sicherlich auch noch andere Methoden. "Wenn es um die Abklärung des Darmes geht, insbesondere mit der Fragestellung, ob sich Polypen gebildet haben, dann gibt es tatsächlich nur die Darmspiegelung, das ist der Goldstandard", sagte Hofmann. Ein Freund von ihm habe die Koloskopie machen lassen, dabei sei ein Tumor festgestellt worden, erzählte der Anrufer. Die anderen zwei habe man mit dieser Methode nicht gesehen. Es gebe eine sogenannte virtuelle Darmspiegelung, erklärte der Mediziner. Man könne aber auch eine Darmkapsel schlucken, die wie ein U-Boot den Darm "durchfährt". Aber alle diese Methoden seien nicht so sensitiv und spezifisch wie die Darmspiegelung, erläuterte Hofmann.


Weilburger Tageblatt vom Donnerstag, 30. Juni 2016 von Sabine Gorenflo

Zurück

Cookie Info

Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf unsere Webseite klicken oder hier navigieren, stimmen Sie der Erfassung von Informationen durch Cookies zu.

Ok, verstanden! mehr Info