Geriatrie ist keine klassische Reha

Fragen zu einem akuten Fall hatte ein 86-jähriger Mann aus Limburg. Seine 84 Jahre alte Frau sei in Limburg gerade frisch an der Hüfte operiert worden. Das Laufen auf dem Krankenhausflur mit Hilfe eines Rollators funktioniere schon sehr gut. Allerdings habe seine Frau kleine Aussetzer und könne sich nicht orientieren und habe Probleme bei der zeitlichen Einordnung. Möglicherweise ein Anzeichen für eine Demenz, schilderte er. Der Sozialdienst des Krankenhauses, wo die Frau derzeit behandelt wird, habe schon mit der Geriatrie im Weilburger Krankenhaus telefoniert und die Frau angemeldet.

Ob vorher schon eine Demenz diagnostiziert worden sei, wollte Annette Dietz zunächst wissen. „Die Verwirrtheit Ihrer Frau muss nicht unbedingt eine Demenz sein, sondern kann durchaus ein so genanntes Delir sein“, erklärte die Leitende Oberärztin. Ein Delir, also die Störung des Bewusstseins oder der kognitiven Fähigkeiten, könne auch aus dem Ortswechsel, einer Elektrolytverschiebung, Fieber oder der Narkose resultieren, erklärte die Medizinerin. „Nicht jeder, der verwirrt ist, ist immer gleich dement“, machte Dietz deutlich.

Außerdem wollte der Mann aus Limburg wissen, ob seine Frau ihre Medikamente selbst mitbringen müsse und was sonst bei der Überweisung nach Weilburg zu beachten sei. „Sofern Ihre Frau keine außergewöhnlichen Medikamente benötigt, haben wir die vor Ort“, erklärte Dietz. Wichtig seien vor allem bequeme, feste Schuhe für die Übungen.

Das Kreiskrankenhaus hat den Versorgungsauftrag für den gesamten Landkreis Limburg-Weilburg und arbeitet daher partnerschaftlich mit den St. Vincenz-Kliniken, den Hausärzten und den Vitos-Kliniken zusammen.

Steht die Überweisung in die Geriatrie erst mal fest, werden Patienten dort zunächst gründlich durchgecheckt. Behandelt werden in der Geriatrie verschiedene Krankheitsbilder. „Das ist eher wie beim Zehnkampf, wir müssen mit allem umgehen können“, sagt Annette Dietz. Darunter sind neurologische Krankheiten wie Schlaganfall oder Parkinson, orthopädische Probleme wie nach einem Oberschenkelhalsbruch, so genannte Sturz-Krankheiten oder chirurgische Krankheiten, wie eine Gallenblasenentfernung.

Ein Team aus Fachkräften in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie, Logopädie, aktivierender Pflege und Sozialdienst stellt in verschiedenen Tests zunächst fest, wo die Stärken und Schwächen der Patienten liegen, um dann entsprechende Therapiemöglichkeiten zuplanen.

Patienten sind mindestens 70 Jahre alt und weisen in der Regel mehrere Krankheiten auf

„Die Geriatrie ist aber keine klassische Reha“, betont Annette Dietz. Die Patienten, die dort behandelt werden, sind über 70 Jahre alt und weisen in aller Regel mehrere Krankheitsbilder auf. Zwischen zehn und 20 Tagen würden Patienten dort in der Regel verbringen. Die Hilfe, die Patienten dort erhalten, sei ganz unterschiedlich. Das beginnt damit, dass Leute wieder Muskulatur aufbauen, um überhaupt sitzen oder stehen zu können, bis zum ersten Gehversuch an der Treppe nach einer Operation.

„Unser Ziel ist es, die Leute wieder nach Hause entlassen zu können und zu wissen, dass sie sich selbst versorgen können“, sagt Dietz. Im Vordergrund stehen, die so genannten Activities Of Daily Life (ADL) – also die täglichen Bedürfnisse und Tätigkeiten – wie Anziehen, Waschen, Essen, Trinken. Diese beizubehalten oder wieder zu erlernen, ist die tägliche Aufgabe des Teams der Geriatrie in Weilburg. (ck)

Dill-Post vom Donnerstag, 18. Februar 2016

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