80 Prozent der Bevölkerung hat Rückenschmerzen

Zum Vortrag von Dr. Ilona Schroth über das Thema „Bandscheibenvorfall – was nun?“ hatte die Kreisvolkshochschule Weilburg in den Konferenzraum des Weilburger Kreiskrankenhauses eingeladen.

Dr. Ilona Schroth ist seit 2002 Fachärztin für Neurochirurgie und war Oberärztin an der Uniklinik Gießen. Seit 2005 ist sie als selbstständige Ärztin in der Gemeinschaftspraxis für Neurochirurgie Dres. med. Steinthal und Schroth im Fachärztehaus am Weilburger Krankenhaus tätig.

Die Fachärztinnen sind über den Oberlahnkreis hinaus für ihre Behandlungsmethoden mit und ohne Operation bekannt und haben in ihrer Praxis bis heute rund 26 000 Patienten beraten. Am Eingang empfing der neue Leiter der Kreisvolkshochschule Weilburg, André Hahn, die Gäste und vor dem Vortrag sprach der Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins, Heinz Pfeiffer, ein Grußwort.

Schroth schilderte, dass 80 Prozent der Bevölkerung westlicher Industrienationen mindestens einmal im Leben relevante Rückenschmerzen hätten. 30 bis 40 Prozent würden unter chronischen Rückenschmerzen leiden. 50 Prozent aller Rentenanträge und 20 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten würden mit Rückenleiden begründet.

Die Wirbelsäule ist die Achse des menschlichen Körpers. Sie bildet die „knöcherne Mitte“ und verbindet verschiedene Skelett-Teile miteinander, zum Beispiel Kopf, Brustkorb, das Becken, Arme und Beine. Die Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbel, fünf Lendenwirbeln, und dazwischen befinden sich 23 Bandscheiben als Stoßdämpfer. Wenn der Faserring der Bandscheibe aufgrund von Alter oder anderen Faktoren rissig wird, können Anteile des schon mehr oder minder degenerierten Gallertkerns austreten. Entweder als Vorfall oder als Vorwölbung. Dabei treten die betroffenen Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal – den Raum, in dem das Rückenmark liegt – vor. Symptome sind Rückenschmerzen und ausstrahlende Schmerzen ins Bein.

Die Heilung dauert länger als drei Wochen

Wenn Patienten in die Praxis kämen, würde erst einmal eine intensive Diagnose gestellt, um abzuklären, ob eine konservative oder operative Therapie angewendet werden soll, erklärte die Ärztin. Denn es gelte, die Nervenwurzel, die durch den Druck der ausgetretenen Bandscheibe geschädigt wurde, wieder zu entlasten und eine Schmerzfreiheit herbeizuführen.

Eine genaue Diagnose ist wichtig, denn oft können die Probleme mit konservativen Therapien wie Wärme, Krankengymnastik, Osteopathie, Akupunktur und muskelentspannenden Medikamenten behoben werden. Es gebe spezielle Situationen, die eine Operation erforderlich machten, aber eine solche Entscheidung werde niemals ohne den Patienten getroffen.

Schroth erläuterte die verschiedenen neurochirurgischen operativen Techniken. Bedenken müsse man als Betroffener auch, dass nur eine Mitarbeit des Patienten zum dauerhaften Erfolg der Heilung führe. „Die Heilung ist nicht in drei Wochen erledigt“, machte die Fachärztin deutlich: Die ersten beiden Wochen sei man arbeitsunfähig, nach dem dritten Monat könnten mittelschwere Tätigkeiten vorgenommen werden, und erst nach einem Jahr sei wieder alles möglich. Erst jetzt könne der betroffene Mensch wieder Sport ohne Einschränkung betreiben. (mb)

Weilburger Tageblatt vom Samstag, 15. Oktober 2016

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