Schilddrüse - Ultraschallbilder und Bluttest geben Klarheit

Der sogenannte „Hashimoto“ ist der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. So hatten auch am Mittwochnachnachmittag bei der Telefonaktion dieser Zeitung, „Der direkte Draht zum Mediziner“, die meisten Anrufer Fragen im Zusammenhang mit dieser Art der Schilddrüsenerkrankung.

Es handelt sich dabei um eine Entzündung, die nach und nach das kleine schmetterlingsförmige Organ zerstört, wie die Dr. Christian Kuntz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Weilburger Krankenhaus, und sein Kollege, Dr. Markus Hofmann, Chefarzt der Inneren Medizin, erklärten.

Eine 50-Jährige aus Wetzlar, deren Hashimoto mit täglich 75 Milligramm L-Tyroxin behandelt wird, fragte nach weiteren Untersuchungsmethoden der Schilddrüse. Neben der diagnostizierten Unterfunktion sei auch ein etwa 1,1 Zentimeter großer Knoten an ihrer Schilddrüse entdeckt worden und sie habe ständig ein raues Gefühl und einen gewissen Druck im Hals. Aufgrund einer Angst- und Panikstörung, sei es ihr aber unmöglich, eine CT- oder MRT-Untersuchungen durchzuhalten.

Chirurg Dr. Christian Kuntz antwortet, dass Knoten zwar häufig operationswürdig seien, allerdings sei der Hashimoto per se nicht ursächlich für die Knotenbildung. Ob es sich um einen heißen oder kalten, möglicherweise bösartigen Knoten handele, das könnten nur Spezialisten bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung feststellen.

„Bleiben Sie dran und lassen Sie beobachten, ob der Knoten wächst. Denn das könnte auf einen kalten Knoten hinweisen“, riet er. Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, Patienten mit Platzangst medikamentös so auf die Untersuchung in der Röhre vorzubereiten, dass sie das schadlos durchhalten können.

Eine Seniorin (81) aus Wissmar berichtete, 1956 an der Schilddrüse operiert worden und anschließend viele Jahre lang beschwerdefrei gewesen zu sein. Nun allerdings hätte sie Probleme beim Schlucken, vor allem wenn sie etwas Heißes zu sich nimmt.

Die Szintigraphie hätte eine Aktivität im rechten Teil der Schilddrüse sowie Verwachsungen gezeigt, die jedoch nach Angaben des Arztes kaum für die Schluckbeschwerden verantwortlich seien. Die Dame hätte Jod verschrieben bekommen, das jedoch hätte am Gefühl im Hals nichts verändere.

„Das Jod nehmen Sie rein vorsorglich gegen das Wachstum“, erklärte Internist Dr. Markus Hofmann und überlegte, ob die Schluckbeschwerden nicht auch an einer Erkrankung der Speiseröhre liegen könnten, etwa durch Wundsein aufgrund von aufsteigender Magensäure. Eine Magenspiegelung könne das abklären. „Alternativ könnten Sie es mit einem Magensäureblocker versuchen und schauen, ob das Brennen nach etwa zehn Tagen besser wird“, riet der Mediziner der 81-Jährigen. Trotzdem solle sie die Schilddrüsenwerte alle halbe Jahre nachuntersuchen lassen.

Aus Breitenstein kam der Anruf eines 77-jährigen Herrn, bei dem vor nunmehr 25 Jahren ein Knoten an der Schilddrüse festgestellt wurde. Eine radiologische Untersuchung aus dem Jahr 2000 hätte jedoch ergeben, dass der Knoten verschwunden sei. Trotzdem würde dem Anrufer nach wie vor L-Tyroxin verordnet. „Ich würde Ihnen zu einer Ultraschalluntersuchung raten. Wenn dabei immer noch kein Knoten festgestellt wird, dann brauchen Sie auch das Medikament nicht mehr“, erklärte der Dr. Hofmann.

„Sie sollten aber auf jeden Fall Jodid nehmen“, so der Internist, denn Jod sei der Brennstoff, den die Schilddrüse für die Hormonproduktion braucht und unsere Nahrung enthalte einfach zu wenig von diesem natürlichen Element.

Ob ein Hashimoto heilbar sei, wollte eine 55-Jährige aus Dautphetal wissen. Sie hätte im vorigen Jahr die Diagnose bekommen und frage sich, ob es eine Möglichkeit gibt, das Immunsystem so zu stärken, dass der Entzündungsprozess stoppt. Manche Heilpraktiker würden so etwas propagieren.

„Ich kann keine Stellung zu den Leistungen eines Heilpraktikers nehmen“, bat der Internist um Verständnis. Sicherlich könne es gut tun, sich dort behandeln zu lassen, aber bei den medizinischen Fragen sollte ein Arzt mit ins Boot geholt werden. „Sobald der Prozess erst einmal angestoßen ist, brennt die Schilddrüse aus. Das kann man nicht anhalten, sondern nur mit der Gabe von Hormonen ausgleichen.“

Ein 72-Jähriger aus dem Raum Biedenkopf beklagt psychische Probleme, starkes Schwitzen und eine enorme Gewichtszunahme. Er fragt, ob das mit der Schilddrüse zusammenhängen könnte. Im Ultraschall sei nämlich ein Knoten gefunden worden, doch würde sein Internist anhand der Blutwerte auf keine Fehlfunktion der Schilddrüse schließen.

„Wenn die Werte in Ordnung sind, dann wird die Schilddrüse auch keinen Einfluss auf Ihre Psyche haben“, beruhigte Dr. Hofmann. Eine Unterfunktion könne zwar zu Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit führen, doch sei übermäßiges Schwitzen eher bei Patienten mit Überfunktion bekannt.

„Als mir 1995 ein Knoten entfernt wurde, haben die Ärzte ein daumengliedgroßes Stück der Schilddrüse stehen lassen“, sagte eine Anruferin (79) aus Haiger. Im Laufe der Zeit sei das Gewebe jedoch wieder gewachsen, sodass ihr die Schilddrüse 2003 entfernt wurde. Die Blutwerte seien zwar immer okay, doch spüre die Dame jetzt einen unangenehmen Druck im Hals. „Als ob die Luftröhre eingeengt ist“, beschreibt sie.

„Lassen Sie eine Ultraschalluntersuchung machen“, riet Dr. Kuntz. Sollte dann nachgewachsenes Gewebe entdeckt werden, müsse erneut operiert werden. „Doch wenn nichts zu sehen ist, dann brauchen Sie auch keine Bedenken mehr zu haben.“

Aus dem Weilburger Tageblatt vom 25.1.2019

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