Wie sicher eine Narkose ist

In der Reihe „Gesund vor Ort“ dieser Zeitung referierte der Spezialist zum Thema „Wie sicher sind Narkosen heute?“. Weiterhin mitgebracht hatte er den Anästhesiepfleger Christian Marek, ein erfahrener Mitarbeiter am Weilburger Krankenhaus, der den OP im Konferenzraum „nachgebaut“ hatte.

Ebenfalls anwesend war Schwester Annika Müller, die sich als „Patientin“ für Demonstrationen rund um die Narkose zur Verfügung stellte – ohne jedoch tatsächlich in eine solche zu verfallen.

Als offizielles Geburtsdatum der modernen Anästhesie gilt der 16. Oktober 1846: Da gelang es William Thomas Green Morton erstmals, einen Patienten nach einer Äther-Inhalation zu operieren. Noch heute wird der 16. Oktober als „Ether Day“ (Äther-Tag) oder auch „Internationaler Weltanästhesietag“ gewürdigt.

Vor ein paar Jahrzehnten hat auch die Sekretärin des Chefarztes Narkosen vorgenommen

Joachim Sturm zeigte ein Bild von diesem Ereignis, nicht ohne zu bemerken, dass nicht jeder Patient solche Situationen überlebt habe, da eine exakte Dosierung kaum möglich war. Auch zeigte er Bilder einer Äthermaske, wie sie noch vor ein paar Jahrzehnten zum Einsatz kam. Noch da wurden solche Narkotisierungen von beispielsweise wenig qualifiziertem Personal oder sogar den Sekretärinnen des Arztes vorgenommen.

Heute jedoch ist die Anästhesie ein höchst anspruchsvolles und daher auch sicheres Terrain: Ein Anästhesist hat in der Regel nach dem sechs Jahre währenden Medizin-Grundstudium zum Arzt noch eine fünfjährige Spezialisierung zum Facharzt für Anästhesie hinter sich. Der Anästhesist ist für die Sicherheit der Patienten bei allen Operationen zuständig, und zwar auch davor und danach. So stellen denn auch im Weilburger Krankenhaus die sieben Anästhesisten die größte Ärztegruppe.

In Deutschland würden pro Jahr rund zwölf Millionen Narkosen durchgeführt, schilderte Sturm. Moderne Narkoseverfahren zielten heute darauf ab, mit möglichst wenigen Nebenwirkungen einherzugehen. Dies erreiche ein Narkosearzt, indem er unterschiedliche Substanzen kombiniere und so ihre Wirkung optimal aufeinander abstimme.

Dabei werde alles überwacht – vom Messen des Blutdrucks, der Überwachung der Herztätigkeit, dem Vorhalten eines Venentropfs, um im Notfall sofort etwas zuspritzen zu können, die Messung der Gase und der Atmung, das Kontrollieren der Sauerstoffsättigung und vieles weitere mehr.

„Auch im Aufwachraum wird die intensive Überwachung fortgesetzt“, sagte Sturm und sprach auch über Voll- und Teilnarkosen. Er schilderte verschiedene Möglichkeiten der Schmerzausschaltung. Die Vollnarkose bewirke Bewusstseinsverlust, die Erschlaffung der Muskulatur, die Dämpfung der Reflexe und die Ausschaltung des Schmerzempfindens.

Ziele seien ein schnelles Einschlafen und Aufwachen ohne ungewollte Unterbrechungen, das Vermeiden von Übelkeit oder Erbrechen und eine schnelle Wachheit im Anschluss. Dabei werde jede Narkose individuell auf den Patienten abgestimmt.

Wichtig sei auch, ob jemand zu große Angst vor einer Teilnarkose habe – beispielsweise bei einer Operation einer Hand. Dann wäre doch eher eine Vollnarkose zu empfehlen. „Wir entscheiden uns auf alle Fälle individuell für ein Verfahren, das dem jeweiligen Patienten das höchste Maß an Sicherheit bietet“, erklärte Sturm. (mb)

Weilburger Tageblatt vom Sonntag, 14. Februar 2016

 

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